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FAQ's

Setting

WAS IST TRANSPERSONALE PSYCHOLOGIE?

Transpersonal heisst vor allem, dass wir diese Dreiteilung in der wissenschaftlichen Psychologie, Psychotherapie aufgefangen haben. Früher wurde geteilt zwischen Körper, Geist und Seele. Für den Körper war die Medizin zuständig. Für den Geist war die die Psychologie zuständig und für die Seele war der Pfarrer zuständig. Mit der Psychosomatik sind die ersten beiden Teile wieder zusammengekommen, weil man gemerkt hat, man kann Körper und Geist nicht trennen und irgendwann ist dann aufgefallen, man kann eigentlich auch den dritten Teil nicht rausnehmen ohne das was fehlt. Und das war der die Geburtsstunde der transpersonalen Psychologie, die jenen Teil, der über die Person hinausgeht, wieder mit integriert hat. Das ist eigentlich alles. Im Prinzip ist die transpersonale Psychologie eine Strömung, die die seelischen Aspekte mit einbezieht. Begründer der transpersonalen Psychologie waren S. Grof, A. Maslow vor allem und noch einige andere. Maslow ist bekannt durch die Bedürfnispyramide, bei der bei Abbildungen ganz oft die oberste Spitze gekappt wird. Diese Spitze ist das Bedürfnis nach transpersonaler Erfahrung, nach Spiritualität.

WAS ERWARTET DICH IN EINEM VORGESPRÄCH?

Die therapeutische Begleitung beginnt ab deiner Anmeldung. Wenn deine Anmeldung bei uns angekommen ist, melden wir uns recht zügig bei dir und schreiben dir ein Mail, dass wir gerne ein Vorgespräch machen möchten. In diesem kostenlosen, etwa 30 minütigen Vorgespräch, geht es vor allem um Vertrauensbildung. Wir lernen uns gegenseitig kennen. Wir klären an dem Gespräch auch medizinische Kontraindikatoren ab und gleichzeitig soll es dir ein Gefühl geben, dass du dich bei uns gut aufgehoben fühlst. Wenn du anschliessend bereits Vorprozesse auf körperlicher oder seelischer Ebene erlebst, kannst du dich bei uns melden. Wir sind ab diesem Moment für dich da, begleiten dich bei Fragen und wir sind gemeinsam auf der Reise. Das Vorgespräch machen wir, wenn du dich zum ersten Mal bei uns anmeldest. Wenn du später das Bedürfnis nach einem Gespräch hast, melde dich bei uns.

WAS BEDEUTEN VORPROZESSE NACH DER ANMELDUNG?

Im Vorgespräch ist es uns wichtig, jede Person abzuholen und Vertrauen zu schaffen. Wir signalisieren, dass wir ab jetzt gemeinsam auf der Reise sind und Ansprechpartner, wenn ungute Gefühle, Widerstände oder Zweifel entstehen sollten. Vorprozesse sind im Holotropen Atmen recht häufig. Sie kommen in der Regel drei bis sieben Tage vor dem Seminar. Man merkt sie plötzlich auf körperlicher oder seelischer Ebene. Und wenn man es schon mal gehört hat, dass das Teil dieser Erfahrung ist, ist es auch nicht mehr so bedrohlich. Und das, was es auf körperlicher Ebene gibt, gibt's auch auf seelischer Ebene. Also, dass dann plötzlich Ängste auftauchen, dass Widerstände da sind, dass man sich fragt, ist das jetzt wirklich das Richtige oder soll ich mich wieder abmelden? Darum ist es wichtig zu wissen, dass wir jederzeit kontaktiert werden können. Wir nehmen unsere Teilnehmer an die Hand und begleiten sie durch die gesamte Zeit hinweg, führen sie an ihre dunkelsten Orte hin und sorgen für eine gute Integratio. Das macht es leichter, sich seinen eigenen Schatten zu stellen.

WICHTIGE KONTRAINDIKATIONEN IM HOLOTROPEN ATMEN?

Es ist ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Kursen, dass wir ein Vorgespräch führen, in dem wir auch die Kontraindikationen abfragen. Ausschlussgründe sind beispielsweise Schwangerschaft. Andere Kontraindikationen müssen abgeklärt eventuell mit dem Hausarzt abgeklärt werden z.B. bei Herzerkrankungen. Bei Asthma ist es wichtig, dass ein Asthma-Spray dabei ist oder wenn man regelmässig Medikamente einnimmt, ist es wichtig, sie nicht abzusetzen und zum Kurs mitzunehmen. Für die Körperarbeit müssen wir wissen ob es Stellen am Körper gibt, wo wir vorsichtig sein müssen, z.B. bei kürzlich zurückliegenden Verletzungen. Wir wollen ja nicht, dass eine Wunde wieder aufgeht oder ein frischer Bruch wieder belastet wird. Nach dem Vorgespräch erhältst du einen medizinischen Fragebogen, der vor dem Seminar augefüllt werden muss.

UNTERSCHIEDE ZWISCHEN KENNENLERNWOCHENENDE UND INTENSIVWOCHE?

Für beide Settings braucht man keine Vorkenntnisse. In der Intensivwoche meditieren wir eine Stunde am Morgen und eine Stunde am Abend und auch tagsüber bauen wir ein bis zwei Sitzperioden ein. Das unterscheidet das Kennenlernen Wochenende, wo wir jeweils nur 30 Minuten meditieren. Beides ist für Anfänger geeignet, aber in der Intensivwoche hat einfach die spirituelle Dimension einen höheren Stellenwert. In der Intensivwoche erleben wir insgesamt vier Atemprozesse. Das heisst zwei als atmende Person und zwei als Begleiter. Und bei einem Kennenlernen Wochenende gibt es einen Atemprozess für dich und einen als Sitter.

WAS MACHT DIE INTENSIVWOCHE SO INTENSIV?

In der Intensivwoche gibt es nichts anderes zu tun, als sich ganz auf sich selbst einzulassen. Das wird begünstigt, weil viel Zeit im Schweigen verbracht wird. Das heisst, all die Pausen, die nicht Sharing sind, die zur individuellen Reflexion zur Verfügung stehen, werden in Stille verbracht und dadurch intensiviert sich diese Entschleunigung. Man ist nicht abgelenkt durch ein Handy, durch Meldungen von aussen, durch Nachrichten, durch beunruhigende Geschehnisse, die in der Familie oder im Beruf passieren, sondern es gibt nur dich Selbst, die Natur und das Setting und auch keine Ablenkung durch Alltagsgespräche, die man mit den anderen führt. Es bleibt einem gar nichts anderes übrig, als sich mit sich selbst zu beschäftigen.

Prozess

KANN EIN ATEMPROZESS MEIN ANLIEGEN LÖSEN?

Wenn du das erste Mal holotrop atmest, werden nicht alle Themen sofort gelöst sein. Das funktioniert bei keiner Methode. Was über Jahre oder Jahrzehnte entstanden ist, braucht auch seine Zeit, um sich aufzulösen. Wenn du regelmässiger zum Holotropen Atmen kommst, wirst du schnell tiefer einsteigen können, weil du das Setting schon kennst, wird der Moment des Loslassens früher eintreten. Regelmässige Prozessarbeit kann dich dabei unterstützen, Traumata, Blockaden oder andere Lebensthemen zu bearbeiten, auch wenn sie mit dem Alltagsbewusstsein nicht mehr zugänglich sind, d.h. verdrängt oder dissoziiert wurden.

WIE GENAU FUNKTIONIERT DAS HOLOTROPE ATMEN?

Der Atemprozess beginnt mit einer Entspannungsübung im Liegen mit geschlossenen Augen und leiser Musik. Am Ende der Entspannungsübung wirst du die klassische Aufforderung hören, tiefer und schneller zu atmen als normal. Es gibt keine Vorgaben und keinen bestimmten Rhythmus. Atme einfach für etwa 30 Minuten tiefer und schneller als normal in der Art und Weise, wie es dir am besten geht. Es spielt keine Rolle, ob du durch die Nase oder durch den Mund atmest. Stecke Energie in die vertiefte Atmung, es ist die erste Schwelle in den Prozess. Es kann sein, dass deine Finger oder Zehen dabei verkrampfen, kalt werden oder sich deine Lippen verspannen. Das ist normal. Mach einfach so lange weiter, bis du erste Bewegungsimpulse verspürst, innere Bilder hast oder dich der Prozess mit auf die Reise nimmt. Irgendwann kommt der Moment, wo dann nicht mehr die Energie in die vertiefte Atmung stecken musst, sondern der Prozess läuft von alleine. Du merkst es einfach plötzlich, weil der Fokus dann nicht mehr auf deinem Atem liegt, sondern Körperimpulse kommen wie: "Ich möchte mich bewegen. Ich möchte etwas ausdrücken. etc.". Folge diesen Impulsen und lass alles zu, was sich ausdrücken möchte. Also nicht nur im Kopf denken, ich würde jetzt gerne schreien, sondern einfach es tun.

WIE LANGE MUSS ICH BESCHLEUNIGT ATMEN?

Es gibt keine Vorgaben, wie und in welchem Rhythmus und ob du durch die Nase oder durch den Mund atmest. Wichtig ist vor allem tiefer und schneller zu atmen als normal und das für etwa 20 bis 30 Minuten. Und das ist auch so eine kleine Schwelle, weil das ist nicht das, wie wir Menschen normalerweise atmen. Es kann auch ein bisschen anstrengend sein und es ist unterstützend, wenn du deine Energie in den Atem lenkst. Es hilft, innerlich zu sagen: "Ja, ich will das jetzt machen. Ich will da wirklich reingehen. Ich will wirklich mal tiefer und schneller atmen, bis irgendwas passiert." Und gleichzeitig loszulassen und die Kontrolle abzugeben, wenn sich die ersten Impulse zeigen.

WEISS ICH, WAS IN DER ATEMREISE PASSIERT?

Am Anfang ist man im Konsensbewusstsein. Das ist unser planerischer, konzeptionelle Geist. Dieses Konsensbewusstsein verschwindet nicht einfach, es bleibt den ganzen Prozess über da und das auch gut so. Aber es kommen Schichten hinzu, es kommen Impulse ins Bewusstsein, die ausagiert und durchlebt werden möchten. Und durch diesen Wechsel des Bewusstseins ist es auch leichter, diesen Impulsen nachzugehen und einfach zu schauen, was passiert. Diese Veränderung merkt man. Der beobachtende Geist, ist auch derjenige Teil, den wir dann für die Integration brauchen. Alltägliche Gedanken können dir auch im Atemprozess begegnen. Die Impulse sind durch das erweiterte Bewusstsein so stark, dass dieses Nachdenken darüber was man gerade tut, mehr und mehr in den Hintergrund gerät. Das heisst, man merkt zwar noch, wie man ausagiert, aber man urteilt nicht mehr so stark. Und diese inneren Barrieren werden viel durchlässiger. Das heisst, es kann viel mehr geschehen und man agiert viel intuitiver in den Impulsen, die im Alltagsbewusstsein einfach ganz stark kontrolliert oder zurückgehalten werden.

WIE ZEIGEN SICH MEINE THEMEN IM ATEMPROZESS?

Die Energie ist meist schon da. Das ist förmlich spürbar für den Atmenden, für uns, für die Sitter als Energie im Raum, die gebannt ist. Und was dann heilsam ist, ist, wenn die gebannte Energie in Fluss kommen kann. Und das kann über die Stimme sein, das kann über den körperlichen Ausdruck sein, das kann aber tatsächlich auch ein körperliches Auswerfen sein. Es passiert sehr häufig, dass die atmende Person dann in einen Hustenreiz kommt oder etwas ausspuckt im wahsten Sinne des Wortes, manchmal sogar sich übergeben muss, damit zum Ausdruck kommt, was da an gebannter Energie im Körper manifestiert ist.

WAS PASSIERT WENN ICH MEINEN IMPULSEN FOLGE?

Wenn du an diesen Punkt kommst, dass du deinen Impulsen folgst, dann kann das sehr kraftvoll sein. Wenn sich beispielsweise die Füsse bewegen und ein Impuls zu treten aufkommt, dann bieten wir von aussen ein Kissen oder eine Matte an und die Energie intensiviert sich bis das gesamte Material zum Ausbruch kommt. Oft passieren Kettenreaktionen im Raum. Zwei, drei Matten weiter im Raum tritt das gleiche Phänomen auf. Das heisst, dass an verschiedenen Stellen im Raum die Energien hochpoppen und sich zeigen. Diese Kettenreaktionen sind der Grund, warum Holotropes Atmen als Gruppensetting durchgeführt wird. Themen die sich beim einen noch nicht zeigen können, werden durch den Ausdruck eines anderen animiert, sich auszudrücken. Das ist sehr heilsam und befruchtend, diese Feldenergie zu nutzen. Es gibt viele Menschen, die möchten sehr, sehr gerne, dass sich in ihrem Leben etwas verändert, aber sie sind unheimlich zögerlich oder kontrolliert und da hilft es dann, wenn jemand anders diese Arbeit schon vorgemacht hat. Sobald man in diesen Zustand des bisschen Zulassens kommt, wird dann ganz schnell ein Prozess in Gang gesetzt, der nicht mehr 100% steuerbar ist, aber das soll er in dem Moment auch nicht. Die Energie darf sich dann vollumfänglich zeigen, die da an die Oberfläche drängt.

WARUM WIRD IN ATEMPROZESSEN KAUM GESPROCHEN?

Wir versuchen grundsätzlich möglichst wenig zu reden, weil das Reden sehr schnell in den Kopf holt. Auch wenn die Musik laut im Raum ist, hört man, dass auf der Nachbarmatte getuschelt wird. Das kann die anderen Atmenden zurückholen. Wir versuchen uns im Kontakt möglichst kurz zu halten, etwa in Zwei-Wortsätzen zu sprechen: "Passt das?", "Stimmt's noch?" "Ist es gut so?"

WAS PASSIERT IN DER KÖRPERARBEIT MIT MIR GENAU?

Die Körperarbeit beginnt achtsam. Wir nähern uns im Prozess sehr vorsichtig an und in der Regel sitzen wir dann erstmal eine halbe Minute neben der atmenden Person und schauen, ob sich unser Impuls ändert. Wenn wir den Impuls weiterhin spüren, dann werden wir dich auch vorsichtig, aber klar berühren. Bei Berührung kannst du den Druck gegen unsere Hand verstärken, damit die gesamt Energie in dir zum Ausdruck kommt. Dabei suchen wir deinen Triggerpunkt sehr genau und achten, welcher Körperteil von Dir in Spannung ist. Wenn wir Ambivalenz spüren, dann verbalisieren wir kurz ob es so stimmt und ob wir exakt auf der richtigen Stelle sind. Da ist es sehr wichtig, dass wir die Stelle genau treffen. Wenn du das Gefühl hast, das stimmt schon am Kopf, aber es ist 2 cm weiter links, dann solltest du das dem Facilitator sagen. Desto genauer wir einen Triggerpunkt von aussen halten, desto mehr fördert das dann auch, dass die atmende Person in den Ausdruck geht und sich das zugrunde liegende Material wirklich an die Oberfläche bewegt und ausdrücken kann. Jede Intervention kann mit dem Wort Stop beendet werden.

IST KÖRPERARBEIT VERGLEICHBAR MIT EINER MASSAGE?

Die Körperarbeit ist keine Massage, weil es nicht darum geht etwas zu entspannen, sondern es geht da drum, etwas durchzuarbeiten. Die Grundidee ist, dass wir alle unsere Traumata, unsere Schwierigkeiten, die wir im Leben hatten, körperlich ablagern. Wilhelm Reich hat es damals als den "Körperpanzer" bezeichnet. Das heisst, alles was an Einflüssen von aussen kommt, die wir nicht gut verarbeiten können, lagern wir in unseren Körper in Form von Verspannungen, von Verpanzerung ab. Und wenn man etwas heilsames machen möchte, dann ist es notwendig, auf der körperlichen Ebene diese Verspannungen und Verpanzerungen aufzulösen. Da hilft es nicht viel, wenn einfach nur massiert wird, denn die Verpanzerung kommt zurück. Es geht darum, das was da an Energie gehalten ist, was da an Geschichte enthalten ist, einzuladen, wieder hervorzukommen, sich zu zeigen, gesehen und durchgearbeitet zu werden, damit es dann wirklich auch gehen und sich auflösen kann.

WIE WIRD KÖRPERARBEIT GEFÖRDERT?

Wir ermutigen verbal, in den Ausdruck zu gehen. Das heisst, wir laden den Atmer ein, die ganze Energie reinzustecken. Das machen wir tatsächlich mit der Stimme. Das heisst, das hört man dann auch an den anderen Ateminseln. Das kann auch andere Atmende im Raum ermutigen, dadurch in den Ausdruck zu gehen. Also, wir freuen uns quasi für die Energien, die sich zeigen und ermutigen, noch tiefer reinzugehen, ohne es zu sehr zu pushen. Auch da ist der Grad sehr schmal. Was ist wirklich förderlich und was würde einem Prozess pushen, ohne dass der Atmer dazu bereit ist, diesen Schritt zu gehen? Und in den Ausdruck gehen, heißt nicht nur in den körperlichen Ausdruck, sondern auch in den stimmlichen Ausdruck z.B. Geräusche zu machen, zu schreien oder auch tatsächlich verbal etwas auszurufen, zu husten, zu würgen und Introjekte auszuwerfen.

WORAN MERKT MAN, WO ICH KÖRPERARBEIT GEBRAUCHEN KANN?

Wir gehen wie mit einem Scanner mit der Hand entlang, und merken wenn wir am richtigen Punkt sind an der Reaktion des Atmers. Oft ist es ein Zucken, ein plötzlicher Gegendruck oder ein schmerzerfüllter Ausdruck. Ein anderes Zeichen, dass Körperarbeit ansteht ist, wenn ein Atmer schon selber anfängt, Körperarbeit zu machen, weil er z.B. die Hand an eine Körperstelle legt. Dieses Drücken übernehmen wir. Das hat den Vorteil, dass die atmende Person ihre Hand wieder frei zur Verfügung hat und nicht beide Bewegungen gleichzeitig machen muss, nämlich dagegen gehen und sich halten. Durch unseren Gegendruck kann sie sich voll auf die eine Bewegung konzentrieren, weil wir die andere übernehmen. Wir drücken nicht, sondern wir halten nur. Die Energie muss vom Atmer aus kommen.

WAS IST NÄHRENDE KÖRPERARBEIT?

Zu nährender oder nachnährender Körperarbeit kommt es, wenn früher einmal etwas gefehlt hat. Meistens ist das Berührung, Kuscheln oder gehalten werden. Atmende erleben dann plötzlich das Bedürfnis, sich einfach an den Facilitator oder an den Sitter heran zu kuscheln. Das ist auch eine Form von Körperarbeit, die der Sitter gut übernehmen kann, weil er eigentlich nichts aktiv tun muss. Er muss einfach nur halten, da sein, präsent sein und das auf einer körperlichen Ebene. Nährende Körperarbeit kann durchaus lange gehen, denn wir bleiben in dieser nährenden Körperarbeit so lange, bis sich bei der atmenden Person tatsächlich etwas verändert. Oft beginnt daraus dann eine neue Bewegung oder ein neuer Ausdruck.

WAS IST KATHARTISCHE KÖRPERARBEIT?

Die kathartische Körperarbeit ist eine sehr kraftvolle Form. In ihr drückt man etwas körperlich aus und bringt es so in eine transformierende Bewegung. Es kann Wut sein, es kann Angst sein oder auch der Schreck in dem man eingefroren ist. Durch den Ausdruck kommt wieder etwas in Bewegung und kann dadurch abgeschlossen oder transformiert werden. Kathartische Körperarbeit kann durchaus auch sehr laut werden und von stimmlichen Ausdruck begleitet sein.

WIE WERDEN GEBURTSPROZESSE ERLEBT?

Geburtsprozess heisst, dass jemand seine oder eine geburtsartige Erfahrung nachvollzieht. Das heisst, dass man in der klassischen Form den Kampf erlebt, um auf die Welt zu kommen. Und vorher noch den Druck und die Ausweglosigkeit, wenn der Muttermund noch verschlossen ist, aber der Fötus sich in der Enge nicht mehr bewegen kann. Bis zu dem Moment, wenn er eben weiterkommt. Und danach die Freiheit, die Öffnung, das Angekommen sein. Dies erlebt man entweder auf sehr körperliche Art und Weise oder manchmal auch auf sehr visionäre Art. Was da passiert ist immer eine starke Transformation, weil die Geburt der Archetyp ist für etwas, dass zu Ende geht und daraus etwas Neues entsteht. Geburtsprozesse sind oft sehr kraftvoll und werden in der Regel von mehreren Facilitatoren begleitet, damit dieser Kampf erstmal gehalten und das Geborenwerden nacherlebt werden kann. Für Sitter kann dieser Anblick befremdlich wirken, wenn mehrere Personen einen Atmer festhalten. Aber hier es geht genau darum, dass jemand seine ganze Kraft einsetzt, um auf die Welt zu kommen.

WIE WERDEN KUNDALINI PROZESSE ERLEBT?

Ein Kundalini Prozess ist dadurch gekennzeichnet, dass es ein autonomer Prozess ist. Das heisst, man kann das, was in einem und mit einem passiert, nur zu einem sehr, sehr geringen Prozentteil steuern. Und in aller Regel wirkt dieser Prozess auch über die Atemdauer hinaus. Das heisst, es beginnen dann autonome Körperreaktionen, dass der Körper zu zittern beginnt, das extreme Heiss-Kalt-Phänomene auftreten, dass das Gefühl aufkommt, extrem intensive Energien durchströmen die Wirbelsäule von unten nach oben. Wenn jemand autonome Prozesse erlebt, zu denen auch der Kundalini Prozess dazu gehört, werden wir diese intensiv begleiten. Die Begleitung kann auch über das Seminar hinaus dauern. Wir sind da, wenn du Begleitung brauchst, in der Integration. Es ist sehr hilfreich, den Körper einfach machen zu lassen. Also nicht zu versuchen, das, was sich da zeigen will, zu blockieren. Das Schöne ist, es sind Prozesse, die sehr transformierend sind für den Alltag, für das ganz konkrete Leben. Und weil sie auch so herausfordernd sind, ist es auch gut, dass sie nicht allzu häufig passieren.

WARUM WIRD AM ENDE DES PROZESSES HÄUFIG KÖRPERARBEIT GEMACHT?

Am Ende eines Atemprozesses schauen wir, ob noch etwas unerledigt ist, ob noch eine Energie da ist, die bearbeitet werden will. Wenn ein Atmer beim Auscheckgespräch sagt "Seit dem Atmen spüre ich da hinten so einen Schmerz", dann gehen wir hin und schauen, ob da noch Energie ist für eine Nachbearbeitung. Das merkt man sehr schnell, ob der Atmer bei Berührung dagegen geht oder ob er gar nichts macht. Wenn er auf das Angebot reagiert, dann kommt es nochmal zu einer klassischen Körperarbeit, die oft kathartisch ist. Wenn aber nur noch Massage gewünscht ist, dann fällt das eher in den Bereich der nachnährenden Körperarbeit.

KANN ICH DIE KÖRPERARBEIT JEDERZEIT BEENDEN?

Bei Körperarbeit gilt: Du kannst jederzeit "STOPP" sagen und das unterbricht jede Intervention augenblicklich. Das ist tatsächlich ein sehr, sehr wichtiges Wort und wir erinnern auch vor dem Prozess nochmal daran, dass jegliche Interventionen mit dem Wort STOPP unterbrochen werden.

WAS PASSIERT IN DEN 3 - 4 STUNDEN DES ATEMPROZESSES?

Der Prozess geht einen Bogen entlang, der auch von der Musik begleitet wird. Am Anfang geht es darum in den Prozess einzusteigen. Dann folgt eine aktive, nach innen führende Phase bis es zunehmend ruhiger wird. Das heisst, es geht vom Ausagieren immer mehr nach innen, um sich Themen zu stellen. Dann kommen auch mehr Bilder und Gefühle. Der Prozess führt dann irgendwann an den Punkt, an dem es dann zu einem ja Kulminationspunkt kommt. Zu einem Punkt, wo vielleicht auch noch mal was ganz konkret etwas ausgedrückt werden will. Ganz oft sind das die Gefühle, die wir normalerweise eher zurückhalten, wie Wut, wie Trauer. Es kann auch Freude, Ekstase sein. Und dann gibt's eine Einladung in der Musik, genau diese Gefühle zuzulassen wie Weinen, Schmerzensenergie, Wut, Kampfenergie, Freude, Ekstase, Hingabe. Diese Phase wird von uns intensiv durch Körperarbeit begleitet. Der Prozess geht dann auf einen Höhepunkt zu und dann gibt es einen Moment, wo die Energien im Raum in eine herzöffnende Phase eintauchen. Verbunden ist das innerlich mit dem Gefühl, dass sich etwas gelöst hat. Dass es gut getan hat, mal so richtig rauszuschreien oder einfach zu weinen und dann führen wir nach und nach den Prozess in eine Integrationsphase hinein. Das heisst, die Musik wird ruhiger, es wird auch im Raum ruhiger. Die atmenden Personen liegen noch da, verarbeiten noch das, was sie erlebt haben und so nach und nach merken sie wieder mehr vom Raum um sich und das Hungergefühl kehrt ein. Das sind Anzeichen, dass die Ränder des Bewusstseins nach und nach wieder auf den Konsens zurückgehen. Dann folgt die Integrationsphase wo du ein Prozessbild malen wirst, bevor du den Atemraum wieder verlässt.

VERLIERE ICH DAS ZEITGEFÜHL IM PROZESS?

Es klingt erst einmal lange, dass ein Prozess 3 bis 4 Stunden dauert. Aber die Zeit schrumpft schnell zusammen. Es gibt Menschen, die haben einen sechsstündigen Prozess, kommen aus dem Prozess raus und sagen, das hat sich angefühlt wie eine Stunde, vielleicht zwei. Man verliert das Zeitgefühl im Prozess wirklich.

WIE LANGE BIN ICH IN DER PROZESSENERGIE?

Das gesamte Seminar ist ein Gesamtprozess. Nicht nur das Atmen selber ist der Moment, in dem etwas passiert, sondern auch beim Sitten, genauso auch bei der Meditation, ja sogar beim Essen oder beim Spaziergang oder nachts beim Träumen. Der Prozess läuft von der Anmeldung an bis zum letzten Tag. Alle Phasen sind Teil des Prozesses.

WIE KOMME ICH AUS DEM PROZESS RAUS?

Oft bemerkt man das Ende des Prozesses ganz banal, dass Hungergefühl aufkommt. Das ist ein Anzeichen dafür, dass die Ränder des Bewusstseins nach und nach wieder auf den Konsens zurückgehen, dass man wieder in den Normalzustand eintaucht. Und dann ist es recht natürlich, was dann passiert, dass man sich fragt: "Wo ist denn mein Sitter? Was ist denn um mich herum?" Es ist der Moment, wo man sich aufsetzt und irgendwann die Augenmaske abnimmt, um sich im Raum umzuschauen. Wir warten bis die Person mit uns Blickkontakt sucht. Dann nehmen wir vorsichtig Kontakt auf und beobachten, wo ist die Person, wie geht es ihr? Wir reden vor dem Malen noch gar nicht so viel, sondern prüfen nur, ob jemand schon am Ende des Prozesses ist und ob es noch Körperarbeit braucht. Anschliessend bringen wir die Malsachen an die Matte und das Prozessbild entsteht. Anschliessend kann man den Atemraum verlassen.

WARUM SOLL ICH EIN PROZESSBILD MALEN?

Der Sinn dieses Bildes ist, einen Anker in Raum und Zeit zu setzen. Solange man den Prozess nur innerlich erlebt oder ihn eben körperlich ausdrückt, kann es passieren, dass er so wie ein Traum verblasst und dann auch ganz wesentliche Erkenntnisse nicht mehr erinnerbar sind. Wir haben ja als Menschen durchaus die Fähigkeit, dass das, was schwierig ist, aus dem Fokus gerät und so kann es auch beim Atmen passieren, dass wichtige Erkenntnisse plötzlich nicht mehr erinnerbar sind. Das Bild hilft, diese Details in Erinnerung zu behalten indem das seelische Innenleben noch einmal in einer beständigen Form ausgedrückt. Es muss kein Kunstwerk entstehen, sondern in dem Moment malt man intuitiv und man befindet sich noch in diesem schwammigen Zustand, der einem dabei hilft, ohne nachzudenken einfach auszudrücken was ist. Malen ist ein Ausdrücken in Raum und Zeit. Man kann das Bild mit aus dem Raum nehmen, man kann es mit nach Hause nehmen und man kann sich durch das Bild auch wieder an den Prozess erinnern. Natürlich könnte man auch aufschreiben, aber das bringt einen schon sehr in den Kopf. Beim Malen muss man nicht wirklich überlegen, Es gibt Leute, die denken, sie können nicht malen. Denen empfehlen wir, nichts erreichen zu wollen beim Malen, sondern einfach einen Stift zu nehmen, eine Farbe zu wählen und Striche zu machen und schon haben sie angefangen den Prozess malerisch fortzuführen, nämlich eine Farbe auszuwählen, die zum Prozess passt, oder eine Bewegung zu machen, die zum Prozess passt. Ob es ein Krakelbild wird oder ob es einfach Wellenlinien sind hat sicher mit der Energie des Prozesses zu tun. Und ganz häufig entstehen dann Bilder, die die Menschen überraschen, weil sie noch nie so etwas spontanes, kraftvolles gemalt haben und dieser Ausdruck seine eigene Schönheit hat.

WANN KANN ICH DEN ATEMRAUM VERLASSEN?

Am Schluss des Prozesses erfolgt mit einem Facilitator ein kurzes Gespräch. Wir nennen es das Auscheckgespräch. Dort wird geprüft, ob die Person schon wieder in einem Zustand ist, dass wir sie beruhigt zum Essen gehen lassen können. Das heisst, wir schauen, ob der Kontakt gut ist und ob die Person wieder ganz da ist und über ihren Prozess sprechen möchte. Man muss nicht in die Tiefen einsteigen. Hauptfokus ist zu schauen, ob die Person orientiert ist und wieder klar weiss, wo sie ist. Und wenn das so ist, dann kann der Atemraum verlassen werden.

Atmer und Sitter

WARUM GIBT ES DEN SITTER ÜBERHAUPT?

Die Rolle des Sitters war nicht von Anfang an in diesem Setting mit drin. Als Stanislav Grof angefangen hat, gab es noch keine Sitter. Er hatte einen Bandscheibenvorfall und konnte Körperarbeit nicht so ohne weiteres machen. Er kam auf die Idee, dass die eine Hälfte atmet und die andere Hälfte die Prozesse begleitet. Durch das Einführen dieser Sitterrolle hat Stanislav Grof gleichzeitig gemerkt, wie heilsam diese Rolle für die atmende Person ist. Für die atmende Person hat es den Effekt, sich wirklich fallen lassen zu können. Dadurch kannst du alle Kontrolle abgeben und dich ganz diesem Prozessgeist übergeben, weil du weisst, dass da jemand ist, der schauen wird, dass du dir nicht weh tust, wenn du in kraftvolle Prozesse kommst. Da ist jemand, der da ist, wenn du Angst bekommst und der jemanden aus dem Leitungsteam holen kann.

WIE FINDEN ATMER UND SITTER ZUEINANDER?

In der Regel ist es so, dass wir ein bis drei Musikstücke vor der Paarfindung spielen und die Teilnehmer:innen einfach in eine freie individuelle Bewegung gehen können. Das kann von wildem Tanzen bis zu ruhigen Bewegungen alles sein. Es gibt kein richtig und falsch. Das ist für viele schon ganz schön schwierig, sich selbst zu spüren und imeigenen Körper anzukommen. Irgendwann ist das letzte Stück zu Ende und dann mache ich sehr gerne so eine vertikale Zentrierung, um sich mit den kosmischen Energien nach oben und den kräftigen Erdenergien von Mutter Erde zu verbinden und diese Energien im eigenen Körper zu spüren. Ich lade dann die Gruppe ein, die Augen zu schliessen, ganz bei sich selbst anzukommen und jegliche Erwartungen loszulassen und sich seiner inneren Führung anzuvertrauen. Dieser inneren Weisheit zu vertrauen und sich vom Kopf her nicht einzumischen. Und dann kommt der Moment, wo ich anleite, den ersten Schritt zu machen und einfach mal loszulaufen. Die Augen können geschlossen bleiben oder halb geöffnet werden. Die Atempaare finden sich intuitiv. Ich empfehle dann immer kurz den Blickkontakt zu suchen und dann spürt man innerlich dieses "ja" und manchmal vielleicht auch "nein" und dann lauft man weiter. Und wenn dieser Match da ist, dann entfernen sich die Paare aus der Mitte heraus und anschliessend gibt's einen kurzen Austausch. Ganz oft finden sich gleiche Themen, also dass es irgendwas in der Biographie gibt, das sich anzieht. Wenn wir eine ungerade Gruppenzahl haben, findet sich eine Dreiergruppe.

WELCHE AUFGABEN HAT EIN SITTER?

Der Sitter hat die Aufgabe, die atmende Person den ganzen Prozess über zu begleiten. Er ist einerseits achtsamer Zeuge und andererseits hat er einen Schwellenwächtercharakter. Die atmende Person ist ja in einem anderen Bewusstseins-Zustand und keiner von uns weiss so genau, wo sie gerade ist. Der Sitter ist Hüter der Schwelle und auch wichtiger Anker. Wenn die atmende Person etwas braucht, dann ist der Sitter in Reichweite. Sie kann ihn greifen und Grundbedürfnisse äussern wie: "Ich brauche ein Nastuch. Ich muss auf die Toilette. Ich habe gerade Angst. Kannst du mir einen Facilitator holen oder kannst du mir eine Decke bringen?" Der Sitter deckt den Kontakt nach aussen und die basalen Grundbedürfnisse ab.

WARUM MACHEN SICH ATMER UND SITTER SYMBOLE AUS?

Atmer und Sitter vereinbaren gewisse Symbole. Es treffen da ja in der Regel, zwei Menschen aufeinander, die die Methode noch nicht kennen. Oftmals weiss man noch nicht recht, was einen erwarten wird. Da hilft es, klare Symbole zu vereinbaren, um gegenseitig Vertrauen und Klarheit zu fördern und eine Basis zu schaffen, auf die sich beide verlassen können. Im Atemprozess macht man mitunter lustige Bewegungen. Nicht jedes Ausagieren ist ein Wunsch nach Berührung. Das entlastet in der Rolle als Sitter. Damit es für beide klar ist, wann etwas gebraucht wird, vereinbaren Atmer und Sitter einfache Symbole.

IST DIE LEITUNG AUCH FÜR DIE SITTER DA?

Wir sind für die ganze Gruppe zuständig, auch für die Sitter. Das heisst, auch wenn eine Frage als Sitter auftaucht oder du mit dieser Energie im Raum in Resonanz gehst, wenn etwa sehr viel Angstenergie im Raum ist und man auch plötzlich als Sitter Angst spürt, dann sind wir auch für den Sitter da, um ihm oder ihr zu helfen, den eigenen Prozess zu verstehen und trotzdem auch noch die Aufgabe als Sitter zu erfüllen.

Rahmenprogramm

WIE FINDET DIE GRUPPE ZUSAMMEN?

Wenn sich die Gruppenteilnehmer:innen noch nicht kennen, schaffen wir eine Atmosphäre, in der Vertrauen auf einer tieferen Ebene möglich ist. Neben klassischen Vorstellungsrunden unter dem Motto "Stell dich mal vor und erzähle etwas von dir" starten wir gerne mit Übungen, wo sich die Gruppenteilnehmer:innen untereinander kennenlernen, aber auch miteinander interagieren. Eine sehr schöne Form ist: "Was hast du für eine Frage an irgendeine Person in der Gruppe?" Denn was für dich von Interesse ist, ist höchstwahrscheinlich auch für die anderen Teilnehmer:innen von Interesse. Und die Antworten, die du bekommst, können auch eine Antwort auf eine Frage sein, die du dir vielleicht selbst stellst. Dadurch fühlt sich die Gruppe schnell miteinander verbunden und wir haben schnell eine tiefe Vertrauensbasis, auf die wir dann die restlichen Tage aufbauen können.

WAS PASSIERT IM SHARING UND IN DER INTEGRATION?

Wir werden uns jeweils nach dem Atemprozess mit dem Sharing beschäftigen. Bis dahin hast du den Atemprozess erlebt, du hast dein Bild gemalt, das sind schon mal zwei wichtige Schritte. Und im Sharing geht's darum, das was du erfahren hast, in deinen Worten in den Ausdruck zu bringen und gleichzeitig auch dein Prozessbild als Anker mitzubringen und auch darauf Bezug zu nehmen. Du teilst im Sharing, was du erlebt hast und das machen auch die anderen, die geatmet haben. Du wirst kein Feedback bekommen oder dich mit anderen darüber austauschen, sondern es ist eine Reflexion und dadurch eine Integration. Wir unterstützen dich und geben Anregungen, Hilfestellungen, wenn du vielleicht gewisse Aspekte deines Prozesses noch nicht verstanden hast. Wir geben keine Deutungsrichtungen oder Interpretationen vor. Viel wichtiger ist es, was der Prozess für dich konkret bedeutet und was du damit assoziierst. Manchmal beantworten sich innere Fragen noch nicht im Sharing sondern erst Wochen oder Monate nach dem Prozess. Das ist völlig normal und in Ordnung. Manchmal geschieht im Sharing noch mal ein Stückchen Arbeit, wenn wir merken, da fehlt noch eine Kleinigkeit für dich, um mit dem Prozess gut in die Welt zu gehen. Anschliessend erzählt auch dein:e Sitter:in kurz wie er oder sie den Prozess von aussen erlebt hat und gibt dir damit die Aussensicht zu deinem inneren Erleben. Im Sharing spricht jeder aus, was er oder sie bis jetzt nur innerlich erlebt hat und teilt es mit der Gruppe, die mitfühlend zuhört.

WAS BEINHALTET SPIRITUELLE PRAXIS IM SEMINAR?

Die spirituelle Praxis ist ein wesentlicher Teil unserer Kurse. Wir beginnen und beenden die Tage jeweils mit einer stillen Meditation, die vom ZEN Buddhismus geprägt ist. Das heisst, wir sitzen in Stille, und ich ergänze das Ganze mit einem Gedicht, das dann immer wieder einfliesst. Am Ende rezitieren wir am Morgen das Herzsutra auf Deutsch oder Sino-Japanisch und abends die Zufluchtnahme.

WARUM WERDEN BUDDHISTISCHE TEXTE REZITIERT?

Das Rezitieren ist ein sehr kraftvolles Instrument. Es ist in unserer täglichen spirituellen Praxis sehr wichtig. Wir rezitieren das Herzsutra immer zuerst auf Sino- Japanisch und am nächsten Tag auf Deutsch. Der Text besteht aus einzelnen Silben, die laut gesungen werden. Eingeleitet wird jede Rezitation mit Glockenklängen und begleitet wird es von rhythmischen Trommelschlägen. Es ist eine Übung, mit der eigenen Stimme kraftvoll in den Ausdruck zu gehen. Und das nutzen wir dann auch für den Atemprozess, dass wir uns trauen, unsere Stimme nach aussen zu bringen und diese laut und kraftvoll einzusetzen. Rezitationen sind auch ein Rahmen, die das Ganze einfassen. In Atempozessen kann man auch spirituellen Dimensionen begegnen. Während das in vielen anderen Therapieformen einfach an den Rand geschoben oder ganz negiert wird, ist die Idee beim Holotopen Atmen und bei der transpersonalen Psychologie, dass Spiritualität ein wichtiger und wesentlicher Teil ist. Dieser spirituelle Rahmen, lädt solche Themen ein, sich zu zeigen und sich mit der eigenen spirituellen Kraft zu verbinden. Rezitationen sind auch eine Einladung, die Praxis des Rezitierens eine Zeit lang zu Hause fortzuführen.

WAS IST DIE ZUFLUCHTNAHME GENAU?

Die Zufluchtnahme ist ein tägliches Ritual, bei dem man sichs in Erinnerung ruft, warum man das Ganze macht. Es hat gleichzeitig einen unterstützenden Charakter. Im traditionellen Buddhismus nimmt man Zuflucht zu drei Dingen, nämlich zum Buddha, zum Dharma und zur Sangha. Dharma ist die Lehre oder die Technik, mit der man gerade beschäftigt ist. Sangha ist die Gemeinschaft, mit der man das macht. Und Buddha ist nicht Gott, sondern er ist das Vorbild. Wenn man in einer schwierigen Situation ist, dann kann man tatsächlich Zuflucht nehmen, indem man sich innerlich auf ein Vorbild ausrichtet und sich fragt, wie würde Buddha damit umgehen, was würde er dazu sagen? Man kann zu einer Methode, zu einer Praxis Zuflucht nehmen, indem man meditiert oder das Holotrope Atmen als Methode nutzt. Man kann sich an die Gemeinschaft wenden, an die Menschen, die mit man zusammen auf dem Weg ist. Das ist hier die Gruppe, mit der ich gerade zusammen bin. Und wenn ich dann eine Frage habe oder etwas Schwieriges mir begegnet, kann ich auch meine Mitreisenden, meine Sangha fragen oder einfach erzählen, was ich gerade erlebe und bekomme dann eine wohlwollende Unterstützung und merke, ich bin nicht alleine. Zufluchtnahme passt zum Gesamtkontext der Integration. Etwas, das auch über das Seminar hinaus hilft. Es fördert eine innere Anbindung an etwas Grösseres. An etwas, das über mich als Person hinausgeht und mit dem man in Kontakt treten kann, sei es in Form von Gebet, Stille, Kontemplation.

WELCHE FORM DER MEDITATION GIBT ES IN DER INTENSIVWOCHE?

Die spirituelle Praxis in der Intensivwoche ist geprägt durch Susannes ZEN-Weg. Wir werden in Stille sitzen. Susanne wird dann zur ZEN Lehrerin und trägt dort auch eine Minirobe und leitet sehr klassische ZEN Rituale an, wie man sie auch aus Sesshins, also Intensivwochen im ZEN kennt. Und das bedeutet, dass wir morgens eine Stunde in Stille sitzen und dazwischen Gehmeditation - Kinhin - machen, und danach noch eine Periode sitzen, bevor wir dann ein ZEN Ritual erleben, wo wir verschiedene Texte rezitieren und das Ganze auch mit Räucherstäbchen und einer gewissen Form, die z.B. auch Verneigungen beinhaltet begleitet wird.

WIE GENAU FUNKTIONIERT ZEN MEDITATION?

In der ZEN Meditation sitzt man klassischerweise mit dem Blick Richtung Wand, damit man möglichst frei ist von Ablenkungen und nicht gestört wird, wenn sich auf der gegenüberliegenden Seite jemand bewegt. Die Augen sind halb geöffnet, und der Blick ist unfokussiert auf den Boden gerichtet. Man sitzt in einer möglichst stabilen und kompakten Haltung für 30 Minuten entspannt und aufrecht im vollen oder halben Lotussitz oder im Seiza (Beine nach hinten). Und das ist es basically. Es gibt keine Anweisung von "zähle deine Atemzüge" oder "konzentriere dich auf das Bild, dass du vor dir wahrnimmst", sondern es ist dieses klassische Shikantaza: einfach nur sitzen und einfach nur sein.

Phänomene

KANN MICH DAS HOLOTROPE ATMEN RETRAUMATISIEREN?

Retraumatisierungen im Holotropen Atmen sind unwahrscheinlich, da das Konsensbewusstsein immer mit dabei. Ein Vorteil dieses Konsensbewusstseins ist, dass man sich die ganze Zeit zumindestens am Rande bewusst ist, wo man eigentlich ist. Selbst wenn man in intensive Erfahrungen eintaucht, und etwas wiedererlebt, was mal sehr unangenehm war und wo man sich nicht anders verhalten konnte als das, was man damals an Ressourcen zur Verfügung hatte. Jetzt aber ist man an einem anderen Punkt im Leben und man weiss, dass man die Erfahrung nur nacherlebt. Das heisst, man kann mit einer gewissen köstlichen Distanz auf das schauen, was da passiert ist. Das erlebte wird in liebevoll begleitet und in einem sicheren Rahmen nachempfunden. All das kann sehr heilsam sein.